AEP Fitness Center in Oklahoma City von Allford Hall Monaghan Morris Architects

publiziert in sb 1/2017

Ein Hangar für den Betriebssport

Kernstück des von Allford Hall Monaghan Morris Architects geplanten Zentrums ist eine bogenförmige Stahlkonstruktion, die sich über ein bereits vorhandenes Betonfundament spannt. Über die Stahlkonstruktion ziehen sich Dachpaneelen aus profilierten Metallblechen in großindustriellem Maßstab. So entstand eine charakteristische hangarartige Gebäudehülle mit vollständig verglasten Giebeln.

Das Projekt begann mit Überlegungen von American Energy Partners (AEP), wie eine Bauruine im Norden von Oklahoma City genutzt werden könnte. Wo einst ein privates Automobilmuseum und ein Weindepot entstehen sollten, spannten sich acht stählerne Bögen über ein Fundament aus Beton. Die Einrichtungen für Mitarbeiter von AEP in unmittelbarer Nähe platzten aus allen Nähten, und so entstand die Idee, den Standort für die Errichtung eines neuen Fitness- und Kinderbetreuungszentrums für das Personal von AEP zu nutzen.

Das Zentrum des Komplexes bildet ein großer Kubus mit zwei Racquetballplätzen, dessen Außenwände als Kletterwand konzipiert wurden. Zu den Einrichtungen im Innenbereich zählen ein Basketballfeld, mehrere Fitnessstudios verschiedener Größe, Umkleiden und ein Café. Im Außenbereich bieten eine Laufstrecke, mehrere Höfe, Terrassen und ein Regenwassersammel­becken eine breite Palette an Möglichkeiten.

Kernstück des Projekts war die Idee, die vorhandene Bausubstanz für das Fitnesscenter zu nutzen. Für die Kinderbetreuung sollte später ein Neubau auf dem nördlich angrenzenden Grundstück entstehen. Im Zusammenhang mit der Nutzung der vorhandenen Bausubstanz stellten sich zwei zentrale Herausforderungen. Zum einen bot das Fundament zwar viel Fläche und eine ausreichende Raumhöhe für das künftige Untergeschoss, doch würde es diesem an Tageslicht fehlen. Zum anderen war die Größe der Sportfelder durch die Bogenkonstruktion begrenzt, und überdies wiesen die Stahlträger nach immerhin acht Jahren Exposition bei Wind und Wetter deutliche Korrosionsspuren auf.

Die Antwort der Planer war kurz und knapp: je zwei Lichtschächte an den Seiten des Untergeschosses und neun neue Stahlbögen in geeigneter Größe.

Eingeschossiger Kubus mit profilierter Stahlverkleidung

Der Hangar erhielt ein an die Bogenkonstruktion angepasstes Dach aus galvanisierten und profilierten Stahlblechen. Die Giebel an der Ost- und Westseite präsentieren sich mit offenen Glasfronten, geben Einblick ins Innere und sorgen gleichzeitig für Tageslichteinfall. Unterhalb des gewölbten Daches befinden sich zwei Kuben: Der eine, ein eingeschossiger Gebäudekörper mit profilierter Stahlverkleidung, durchbricht die Glasfront an der Ostseite und bildet den Haupteingang. Der andere, an dessen Außenwänden eine Kletterwand entstanden ist, beherbergt zwei Racquetballplätze. Eine zentrale Treppe mit Aufzugbereich separiert das Café und die Personal Training-Flächen von einem Basketballfeld am Westende des Hangars.

Im Untergeschoss befindet sich eine offene Trainingsfläche für Kraft- und Cardiotraining zwischen den beidseitig angeordneten Höfen. Die Fitnessstudios sind um die Lichtschächte herum angeordnet, ­Duschen und Umkleiden befinden sich am Fuße der Treppen. Sämtliche Flächen – Stahlkonstruktion, Wände und Decken – sind einheitlich in Weiß gehalten, um den natürlichen Lichteinfall optimal zu verstärken. Als Sportboden in den Trainingsbereichen dient ein elastischer schwarzer Gummibelag, während Sportfelder und Fitnessstudios mit Holzschwingböden ausgelegt wurden.

Volleyballfeld als Rückhaltebecken für Regenwasser

Die mechanischen Anlagen befinden sich in einem Anschlussraum, der über die gesamte Länge des Untergeschosses verläuft. Leitungen, Abzug- und Lüftungsschächte wurden freiliegend unter der Decke installiert. Im Erd­ge­schoss wurde die Beleuchtung in die Stahlkonstruktion integriert, während in den Trainingsbereichen im Untergeschoss Uplights installiert wurden, um Blendung zu vermeiden.

Auf dem Außengelände befindet sich ein in den Boden eingelassener Volleyballplatz, der auch als Auffangbecken für Regenwasser dient, da dieser Teil der Stadt noch nicht über eine derartige Infrastruktur verfügt. Die sorgsam bepflanzten Flächen, auf denen auch die Kinderbetreuungseinrichtung entstehen soll, werden von einer Laufstrecke umschlossen, die auch als Gehweg dient.

Fokus auf Nachhaltigkeit

Das AEP Fitness Center soll der Belegschaft von AEP Raum für Erholung und Begegnung bieten. Naturgemäß stehen hier Gesundheit und Fitness im Vordergrund, wozu auch die großzügige Belichtung mit Tageslicht beiträgt. Hierzu tragen die Glaswände an den beiden kurzen Seiten der gewölbten Gebäudehülle ebenso bei wie die Lichtschächte für das Untergeschoss. Die Begrünung der Lichtschächte und die Grünanlagen auf dem Gelände verschönern den Ausblick und heben die Aufenthaltsqualität im Außenbereich.

Das Fitnesscenter gründet auf der bereits vorhandenen Bausubstanz, sodass die für die Bauarbeiten vormals aufgewandte Energie genutzt und Abbrucharbeiten sowie der Abtransport von Bauschutt vermieden werden konnten. Die Betonstruktur ist in den Cardioräumen im Untergeschoss freigelegt und trägt zur Nachtkühlung bei, sodass sich der Energiebedarf für die Raumklimatisierung im Tagesbetrieb reduziert. Das gewölbte Dach ist, gemessen an den lokalen Bauvorschriften, überdurchschnittlich gut gedämmt und weiß beschichtet, um solar- und induktionsbedingte Aufheizung im Sommer bzw. Wärmeverluste im Winter zu mindern. Auch im Innenbereich dominiert die Farbe Weiß mit Blick auf eine optimale Tageslichtnutzung und einen geringen Strombedarf, überdies kommt nur LED-Beleuchtung zum Einsatz. Hauptverkehrsmittel in Oklahoma City ist das Auto. Die Architekten wollten dem entgegensteuern und sahen großzügige Fahrradparkflächen vor, um Mobilität ohne CO2-Fußabdruck zu begünstigen.

Der ökologische Ansatz berücksichtigt die Umweltwirkung verschiedener Baustoffe bei der Herstellung, während der Nutzung und am Ende ihrer Lebensdauer, sowie den Wasserverbrauch im laufenden Betrieb, Regenwassermanagement und den Beitrag eines Standorts zum lokalen Ökosystem. Bei den Bodenbelägen im Fitnesscenter handelt es sich in weiten Teilen um Gummiplatten, gefertigt aus recycelten Autoreifen. Die eingesetzte Materialmenge wird zudem durch den Verzicht auf eine Ver­kleidung der Gebäudestruktur und minimale Ober­flä­chen­be­hand­lung reduziert. Der Beitrag zur Biodiversität im Außenbereich manifestiert sich in den Erholungsflächen und dem System zum Regenwassermanagement. Heimische Pflanzen ranken sich rund um eine Regenwassersenke, die auch als Volleyballplatz fungiert.